Igel und menschliche Hilfe

Das Nachrichtenportal T-Online hat einen Artikel veröffentlicht, der sich mit der Frage beschäftigt, ob und wann Igel, die man als Mensch antrifft, unsere Hilfe benötigen.

Igel, gezeichnet von Bauer, Ferdinand (1760-1826) unter CC BY-NC-SA-Lizenz der Bodleian Libraries, University of Oxford
Igel, gezeichnet von Bauer, Ferdinand (1760-1826) unter CC BY-NC-SA-Lizenz der Bodleian Libraries, University of Oxford

Während der Artikel durchaus grundlegend darüber informiert, dass nicht alle Igel, die man zufällig antrifft, hilfsbedürftig sind und erklärt, wie man die Igel, die Aufmerksamkeit oder Pflege benötigen, identifizieren kann. Dabei fehlt in dem Artikel leider die Anmerkung, dass wir selbst im Umgang mit den Igeln eine gewisse Vorsicht walten lassen sollten, deshalb hat Christian Gersch diese Information zusätzlich angemerkt:

Hier ist natürlich nicht die Rede von IGeL (sog. „Individuelle Gesundheitsleistungen“), sondern von der Spezies Erinaceidae.

Es gilt allmählich erste Studien, die Reihenuntersuchungen von meist leblos aufgefundenen Igeln behandeln. Während die Studien nicht aus Mitteleuropa stammen, dürften ihre Ergebnisse wahrscheinlich doch zumindest teilweise in unsere Gefilde übertragbar sein, zumal sich Tiere nicht an Landesgrenzen halten.

Eine iranische Studie (Naem S, Pourreza B, Gorgani-Firouzjaee T: The European hedgehog (Erinaceus europaeus), as a reservoir for helminth parasites in Iran in Vet Res Forum. 2015 Spring;6(2):149-53. Epub 2015 Jun 15.) spricht von einem Durchseuchungsgrad mit Wurminfektionen von 95% der untersuchten Igeln, auch wenn in der Studie nur 45 Igel eingeschlossen wurden. Eine türkische Studie (Girisgin AO, Senlik B, Aydin L, Cirak VY.: Ectoparasites of hedgehogs (Erinaceus concolor) from Turkey in Berl Munch Tierarztl Wochenschr. 2015 Jul-Aug;128(7-8):315-8.) findet bei 45% der untersuchten Tiere Flöhe und Zecken. Ein britischer Fallbereicht weist in einem Igel erstmals ein bestimmtes humanpathogenes Bakterium nach (Franklinos LH1, Efstratiou A, Macgregor SK, John SK, Hopkins T, Cunningham AA, Lawson B.: Streptococcus pyogenes Infection in a Free-Living European Hedgehog (Erinaceus europaeus) in Ecohealth. 2015 Aug 5.).

Es ist also wahrscheinlich ratsam, sich einem Igel, um den man sich kümmern möchte, zumindest mit einem gewissen Abstand (z.B. Einweghandschuhe) zu nähern, einen engen Textil- wie Körperkontakt zu vermeiden und den Igel nicht in Kontakt mit anderen Tieren, Polstermöbeln, etc. zu bringen. Auf der anderen Seite konnte ich keine aktuellen Fallberichte recherchieren, die von einer ernsthaften Infektion eines Menschen durch einen Igel berichtete.

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