Tropenkrankheiten in Europa

Die Sueddeutsche Zeitung berichtet über den ersten Fall des Dengue-Fiebers, der in Süd-Frankreich aufgetreten ist, ohne dass eine Tigermücke direkt über einen Langstreckenflug o.ä. nach Europa gelangt wäre.

Das „Heimischwerden“ einer solchen Tropenkrankheit in Europa stellt Medizin und Gesellschaft vor neue Herausforderungen.

Zur Ausbreitung der Vektoren in Europa hat Christian Gersch folgenden Kommentar geschrieben:

Die Malaria war bis in die 60er Jahre in Europa heimisch, wurde aber im Zuge der WHO-Kampagne ausgerottet. Theoretisch ist es also durchaus möglich, dass die Überträge von vielen Tropenkrankheiten, die sog. Vektoren – meist Stechmücke – sich in Europa (wieder) ansiedeln, insbesondere im Zuge der globalen Erwärmung.

Andererseits zeigt auch die europäische Vergangenheit in Bezug auf die Malaria oder das heutige Beispiel des Stadtstaates Singapur mit dessen Bekämpfung der asiatischen Tigermücke, dass die Vektoren effektiv und nachhaltig bekämpft werden können. Allerdings hat gerade in Bezug auf Mitteleuropa der Klimawandel einen beträchlichen Anteil an der Veränderung der Lebensbedingungen für Insekten, denn vor einem Jahrhundert galt beispielsweise das Rheintal oder die Mittelrheinebene als deutlich wärmer und damit mückenfreundlicher. Es gilt aber auch zu beachten, dass die Trockenlegung der Auen den Insekten viel Brutraum genommen hat.

Eine asiatische Tigermücke benötigt allerdings zum Brüten nur die Wasserfläche eine Pfütze. Gießkannen, Gartenteiche, alle nicht schnell austrocknenden Pfützen stellen bei günstigen Klimabedingungen eine ausreichende Gefahrenquelle für die Ausbreitung des Dengue-Fiebers dar. Während beispielsweise in Singapur die Bevölkerung über diese Risiken gut informiert ist und darüber hinaus entsprechende Gesetze bestehen, dürfte es in Europa einige Zeit dauern, bis wir – sollten infizierte Tigermücken tatsächlich heimisch in Europa werden – unseren Lebensstil und unsere Gärten so umgestellt haben, dass in Infektionsgefahr wieder sinken dürfte.

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